Du oder Sie? 3 Tipps zur Kunden-Ansprache

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Deine Kunden-Ansprache - ein Positionierungs-Thema

Die grundsätzliche Überlegung, wie du deine Kunden ansprichst, zielt mitten ins Thema Positionierung. Denn genau so, wie die Farben deiner Kleidung und deiner Webpage viel über dich aussagen, wird auch deine Kunden-Ansprache manche Menschen überzeugen und andere nicht.

Wie immer kannst du nicht allen Menschen gefallen, daher ist es wichtig, wen du erreichen willst. Es ist daher unerlässlich, dass du schon über deinen idealen Kunden nachgedacht hast und am besten einen Avatar erschaffen hast.

Die größte Frage in Bezug auf die Kunden-Ansprache ist, ob du "Du" oder "Sie" verwendest. Daher widme ich diesem Punkt am meisten Platz in diesem Artikel. Doch findest du am Schluss auch noch zwei weitere wichtige Tipps.

"Du" oder "Sie"?

Ikea hat es vorgemacht

Als Ikea vor etwa 40 Jahren nach Österreich kam, war die Du-Ansprache ein großes Thema, denn die Kunden zu duzen war damals fast ein Unding - irgendwie respektlos und frech. Doch seither ist viel passiert und heute ist es genau so unüblich, Menschen auf sozialen Plattformen zu siezen, wie es einst provokant war, potenzielle Käufer zu duzen.

Dennoch fällt es vielen Unternehmerinnen schwer, sich klar dazu durchzuringen, ihre Kunden konsequent zu duzen.

Auch ich habe mit der Sie-Form gestartet und vor vielen Jahren entschieden, damit aufzuhören. In diesem Artikel möchte ich dir einige Entscheidungshilfen bieten:

Tipp 1: Spüre in dich hinein, was dir persönlich leichter fällt

Ich stelle fest, dass ich heute fast niemanden mehr sieze. Egal, ob ich in den Chor gehe, zum Yoga oder einen Selbsterfahrungskurs besuche, üblich ist überall das "Du". Den Angestellten-Kontext mit Chefs und Kollegen habe ich schon seit vielen Jahren nicht mehr, doch weiß ich von Freunden, dass es auch in Firmen immer üblicher wird, sich zumindest auf der gleichen Hierarchie-Ebene zu duzen. Ein "Sie" spreche ich eigentlich nur Menschen gegenüber aus, die mich nicht zurück-duzen können, also zum Beispiel der Friseurin oder dem Verkäufer im Supermarkt gegenüber. Man kann also sagen, die Anrede "Sie" gehört bei mir eher schon zur Ausnahme als zur Regel. Da ich mich vollkommen wohl damit fühle, bin ich vor einigen Jahren dazu übergegangen, auch meine Kunden zu duzen. Die meisten fühlen sich damit auch wohler, als mit einer förmlicheren Anrede.

Sollte es dir ähnlich gehen, wird dich wohl nicht viel davon abhalten, das Gleiche zu tun. Sollte dir das "Du" bei dir unbekannten Personen jedoch eher schwer fallen, dann bleib beim "Sie".

Tipp 2: Sei konsequent!

Der Trend zum "Du" in der Geschäftswelt ist wohl gemeinsam mit Facebook gekommen. Die Menschen auf Facebook zu siezen kommt doch etwas komisch rüber. Auch ich habe meine Entscheidung zum "Du" kurz nach meinem Facebook-Start getroffen. Ganz einfach deswegen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, meine Kunden auf der Webpage, im Blog und meinen eMails zu siezen und dann auf Facebook zu duzen. Ein "Sie" auf Facebook kam mir aber auch vollkommen falsch vor. Genau damals traf ich die Entscheidung zum generellen "Du".

Wenn du also vor hast, eine starke Facebook-Präsenz aufzubauen, dann rate ich dir zu einem generellen "Du", eine unterschiedliche Anrede je nach Medium finde ich persönlich inkonsequent.

Tipp 3: Wie nahe willst du deinen Kunden sein?

Ganz offensichtlich ist wohl, dass ein "Sie" mehr Distanz schafft. Das ist ja nicht immer und überall falsch, es geht nur darum, dass du dir dessen bewusst bist. Wenn du als Rechtsanwalt deine Expertise hervorkehren willst oder als Ärztin manchmal harte Diagnosen stellen musst, dann kann es dir unter Umständen lieber sein, etwas mehr Abstand zu deinen Kunden zu haben.

Insgesamt ist es hingegen meistens von Vorteil, möglichst viele Barrieren aus dem Weg zu räumen und dem Kunden einen ersten Vertrauens-Vorschuss möglichst einfach zu gestalten.

Mir ist es sehr wichtig, mit meinen Kunden auf Augenhöhe zu sprechen. Das geht beim "Du" meist gleich viel leichter.

Tipp 4: Was, wenn dich der Kunde weiterhin siezt?

Manchmal kommt es vor, dass ich Anrufe oder eMails bekomme, in denen mich der Kunde siezt. Nachdem das in der Geschäftswelt ja durchaus noch üblich ist, gehe ich davon aus, dass dieser Klient gar nicht bewusst bemerkt hat, dass ich beim "Du" mit meinen Kunden kommuniziere und antworte daher zuerst einmal in der "Du"-Form. Falls dieser Kunde jedoch wieder mit "Sie" antwortet, gehe auch ich zum "Sie" über, da ich nun annehmen kann, dass diesem Menschen die persönliche Anrede nicht liegt. Ansonsten würde ein komischer Dialog entstehen, in dem er mich siezt und ich zurück-duze.

Sollten sich mit diesem Klienten längere Beziehungen entwickeln, wie zum Beispiel ein Coaching-Projekt, dann spreche ich das Thema in jedem Fall klar an und frage, wie er gerne angesprochen werden will.

Tipp 5: "du" oder "Du"?

Früher wurde die persönliche Anrede immer groß geschrieben. Beim "Sie" ist das auch so geblieben, beim "Du" erlaubt uns die Rechtschreib-Reform sowohl ein kleines als auch ein großes "D". Auch das solltest du dir natürlich einmalig überlegen und dann konsequent durchziehen.

Ich persönlich habe das Gefühl, dass die alte Schreibweise leicht verstaubt wirkt und mich daher für die Kleinschreibung entschieden.

Das "Du" erleichtert auch dein eMail-Marketing!

Wenn du aktiv eMail-Marketing betreibst, dann sammelst du natürlich regelmäßig Adressen ein. Es ist bekannt, dass du umso mehr Abonnenten bekommst, desto weniger Daten du abfragst. Wenn du mit deinen Kunden beim "Du" bist, reicht daher der Vorname für eine persönliche Anrede. Beim "Sie" solltest du zusätzlich mindestens noch das Geschlecht und den Nachnamen abfragen. Das sind dann - zusammen mit der eMail-Adresse - schon vier Zeilen, die der Kunde ausfüllen muss. Ob du es glaubst oder nicht, das ist schon ein Grund, warum es einige Menschen bleiben lassen!

 

Bauchladen ade!

So positionierst du dich als ExpertIn!

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"Du" oder "ihr"?

Sehr wenig Sensibilität gibt es zu diesem wichtigen Thema!

Ganz viele online-Vortragende sprechen ständig im Plural zu ihren Kunden. Das scheint in erster Linie nur natürlich, denn sie haben ihren Newsletter nicht speziell nur für dich geschrieben. Auch bei ihrem online-Kurs, ihrem eBook oder Podcast haben sie selbstverständlich nicht nur an dich gedacht, sondern an all ihre Klienten. Doch da liegt eben auch der Hund begraben! Denn die Anrede in der Einzahl (also "du" statt "ihr") gibt den Kunden genau dieses Gefühl der Exklusivität.

Lasse es auf dich wirken, welcher Einleitungs-Satz klingt für deine Ohren persönlicher:

"Heute habe ich etwas ganz Spezielles für euch." oder

"Heute habe ich etwas ganz Spezielles für dich."

Es mag subtil klingen, doch ich empfinde dieses "Mehr" an Intimität als sehr exklusiv.

Das gilt jetzt natürlich nur für online-Produkte, denn am anderen Ende sitzt wirklich immer nur eine Person, die auch als eine solche wahrgenommen werden will. Sie kümmert es herzlich wenig, dass es noch andere Menschen gibt, die den gleichen Newsletter oder online-Kurs erhalten.

In Live-Events, wo mehrere Personen anwesend sind, die sich gegenseitig auch tatsächlich (oder auch nur virtuell) sehen, ist das natürlich nicht nötig, kommt aber trotzdem oft gut!

Kostenloses Erstgespräch

Du bist bereit und willst dein Business endlich online bringen - oder auch den nächsten Schritt gehen und zum Beispiel Webinare, online-Kurse oder Mitgliederbereiche anbieten? Du brauchst Hilfe und weißt noch nicht sicher, ob ich die Richtige für dich bin? In einem kostenlosen Erstgespräch von ca. 20 Minuten finden wir heraus, ob wir zwei zusammenpassen! Dieses Gespräch führen wir auf Skype, Telefon oder Whatsapp.

Binnen-I und sonstige Gender-Correctness

Also ich bin wirklich kein Fan von Binnen-Is! Sie machen einen Text weder mehr sexy noch leichter lesbar - und trotzdem ist das Thema ein wichtiges!

Als ich aufwuchs, war es noch gang und gäbe, von allen Berufsbezeichnungen in der männlichen Form zu sprechen. Heute ist das bei Weitem nicht mehr so - und das ist gut so! Als ich vor einiger Zeit im Rahmen eines Business-Frauen-Events einer vortragenden Bank-Direktorin zuhörte, wie sie im ganzen Vortrag - exklusiv für Frauen - prinzipiell nur die männliche Form verwendete, stieß mir das gewaltig auf. Doch als ich sie nach dem Vortrag ansprach, war ihr das gar nicht bewusst! In der männlich dominierten Banken-Welt hatte sie anscheinend noch nie jemand darauf hingewiesen, dass dies heute nicht mehr korrekt ist. Mich wundert es auch immer wieder, dass gerade Ärztinnen ganz oft von sich selbst sagen: "Ich bin Arzt." Man sollte denken, dass gewisse Bildungsschichten gerade auf solche wichtigen Kleinigkeiten achten!

In der Schule wurde ich oft "Emanze" genannt, weil ich mich für derlei Dinge einsetzte. Und trotzdem oder gerade deswegen, halte ich das Binnen-I für keine elegante Lösung. Wie immer geht es um den Geist der dahinter steckt - und nicht um die Handlung selbst. Inkludiere ich geistig beide Geschlechter oder nicht?

Ich für mich habe das folgendermaßen gelöst:

  • Wenn ich nur Frauen meine, dann ist es klar, das -in wird mit kleinem I drangehängt (also zB "Trainerin")
  • In meinen längeren Texten halte ich mich an das angelsächsische Vorbild, das mir bei Weitem am besten gefällt. Diese haben zugegebenermaßen kein so großes Problem mit männlichen und weiblichen Berufsbezeichnungen, denn hier gibt es nur eine neutrale Form, "teacher, partner, trainer..." meint immer beide Geschlechter. Doch auch im Englischen gibt es persönliche Fürwörter, also "er" und "sie".
    Viele Autoren verwenden diese einfach willkürlich im Wechsel. Das habe ich mir gerne abgeschaut. In meinen längeren Werken, wie Büchern, eBooks oder Blog-Artikeln sorge ich daher einfach für Abwechslung indem ich zum Beispiel hier von "Unternehmerin" und dort vom "Kunden" rede. So kommt es insgesamt zu einem guten Ausgleich zwischen den Geschlechtern. Selbst in Titeln habe ich schon gemixt, wie zum Beispiel bei meinem Webinar "Endlich ausgebucht!", das den Untertitel "Die 3 wesentlichen Faktoren für Berater, Trainerinnen und Therapeuten" trägt.
  • Trotzdem greife auch ich manchmal auf das Binnen-I zurück, denn in ganz kurzen Texten oder Überschriften hat man manchmal einfach keine andere Möglichkeit, um klar erkennbar zu zeigen, dass man beide Geschlechter gleichermaßen anspricht.

Somit ist meine Lösung zu diesem Thema doch etwas salomonisch, aber eben das Beste, das ich für mich finden konnte und in meinen täglichen Texten umsetzen möchte.

Und nun zu dir: Wie hältst du es mit "du", "Sie", "ihr" und dem Binnen-I? Ich bin gespannt zu hören, wie du das löst. Schreibe es einfach in den Kommentaren!

4 Kommentare

  1. Veröffentlich von Johann Lühr am 24. Juli 2017 um 20:57

    Hallo Meike

    Ja ich benutze auch die Du Form am liebsten und gelegentlich die Sie Form wenn erforderlich.

    • Veröffentlich von Meike Hohenwarter am 24. Juli 2017 um 21:15

      Hallo Johann!
      Danke für dein Feedback! Und wann findest du, ist die „Sie“-Form erforderlich?
      Liebe Grüße
      Meike

  2. Veröffentlich von Gwendolin Rugen am 28. Juli 2017 um 12:45

    Hallo Meike,
    dass DU/SIE Thema ist immer wieder spannend und ich habe auch lange hin und her überlegt – Texte in beiden Formen geschrieben, wieder verworfen, erneut ausprobiert und mich schliesslich aus den oben genannten Gründen dann doch für Du entschieden! DU ist einfach näher am Kunden und wenn jemand gesiezt werden möchte, kein Problem! Toller Artikel, vielen Dank dafür!

    Viele Grüße Gwendolin

    • Veröffentlich von Meike Hohenwarter am 28. Juli 2017 um 14:44

      Hallo Gwendolin!
      Danke für dein Feedback!
      Liebe Grüße aus Wien
      Meike

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